Blockchain – Finanzrevolution oder temporärer Trend?

05.05.2017

Der Finanzbranche scheint eine radikale Umwälzung durch Bits und Bytes bevorzustehen – der Auslöser: ein Computer-Code namens Blockchain. Der Forschungs- und Entwicklungsdrang in diesem Bereich ist riesig. Die junge Internet-Technologie Blockchain soll für mehr Transparenz sorgen, die Geschäfte effizienter und zugleich sicherer machen und in vielen Geschäftsbereichen zur Kostensenkung beitragen.

Bekanntheit erlangte die Blockchain als elementare Technik, die hinter der Kryptowährung Bitcoin steht. Ohne Blockchain würde Bitcoin nicht funktionieren. Bitcoin ist eine rein digitale Währung, die auf einem dezentralen Bezahlnetzwerk basiert. Man könnte die Blockchain als deren Rückgrat bezeichnen. Sie verwaltet die Bitcoin-Transaktionen bzw. Kontostände und fungiert dabei als öffentliches Buchhaltungssystem. Die Daten werden nicht zentral gespeichert, sondern auf viele Rechner verteilt und abgelegt. Auf jedem dieser Rechner liegt somit die komplette Blockchain mit der Dokumentation sämtlicher Transaktionen. a

Die Blockchain-Technologie sollte losgelöst von Bitcoin betrachtet werden, auch wenn die digitale Währung derzeit den einzigen echten Anwendungsfall darstellt. Auf der Grundlage des Blockchain-Prinzips lassen sich neue, innovative Applikationen entwickeln. Die Experimentierfreude ist aktuell groß. Geplante und in der Entwicklung befindliche Blockchain-Anwendungsplattformen für die Finanzindustrie sollen transparente, sichere und nachprüfbare Geschäftsmodelle bringen. Die Integration in bereits bestehende Systeme stellt allerdings noch eine Herausforderung dar.

Durchsichtige Geschäfte

Die Blockchain ist eine dezentral auf mehrere Computer verteilte riesige Datenbank, eine Art Superkonto. Das Protokoll liegt also nicht auf einem Server oder bei einem Unternehmen. Da es niemand besitzt und es keinen zentralen Verwalter gibt, sind die Zugriffsrechte und Möglichkeiten für alle Teilnehmer gleich. Das Blockchain-Netzwerk könnte man als demokratisches Konstrukt bezeichnen, in dem jeder Teilnehmer die gleiche Macht über das Regelwerk hat wie alle anderen. Blockchain ist demnach ein neutrales System der Informationsverarbeitung, das praktisch nicht zu manipulieren ist.

Das dezentrale Protokoll für Transaktionen zwischen Parteien bildet jede Veränderung transparent ab. Kontostände und Transaktionen werden in Form von Datenblöcken dargestellt, die eine von allen Teilnehmern einsehbare Kette erzeugen. Ein Netzwerk sogenannter Miner verifiziert Block für Block und versiegelt diese. Einmal verifiziert ist jeder Block samt der darin enthaltenen Information für alle Ewigkeit unabänderlich und für jeden Teilnehmer sichtbar gespeichert. Miner haben die Rolle eines Buchhalters. Sie stellen ihre Rechenleistung zur Verfügung, verifizieren und verhindern jegliche Korruption und Manipulation im System.

Blockchain ist nicht auf finanzielle Transaktionen beschränkt, sondern kann für jede Art von Information genutzt werden. Innerhalb der Blockchain kann eine Information jederzeit auch für neue Teilnehmer nachvollzogen werden. Die eigentliche Revolution: Menschen und/oder Unternehmen können direkt miteinander interagieren. Sie benötigen keinen Notar, keine Bank, keine Prüfungsinstanz. Die Blockchain-Technologie wickelt Zahlungen vollautomatisch ab – schnell und günstig.

Gesellschaft forscht

Die Blockchain wirft viele neue und spannende Fragen in den unterschiedlichsten Branchen und Bereichen der Wissenschaft auf. Unternehmen und Institutionen forschen derzeit, welche Geschäfte mit Blockchain in der Praxis sinnvoll sind. Sie gehen der Frage nach, wie diese gestaltet werden müssten und ob das System auch bei einer sehr großen Anzahl von Teilnehmern und Transaktionen praktikabel ist.

Die Bundesbank beispielsweise hat gemeinsam mit der Deutschen Börse bereits 500.000 Euro in einen eigenen Blockchain-Prototypen samt digitalen Münzen und Wertpapieren gesteckt. Die weltgrößten Banken investieren Geld in die Forschung, an deren Ende ihre eigene Blockchain stehen soll. Wenn schon Transparenz, dann selbst gesteuert. Für die Banken dürften bei ihren Forschungsaktivitäten auch Geschwindigkeit und Kostensenkung von Interesse sein. Blockchain würde Transaktionen binnen weniger Sekunden ermöglichen und den Banken durch den Verzicht auf teure Dienstleister Milliardeneinsparungen einbringen.

Und auch der kleine Mann, der für Banken nicht profitabel ist, kann von der jungen Technologie profitieren. Mit Hilfe von Blockchain können auch jene Menschen Zugang zu den globalen Kapitalmärkten erlangen, die aus strukturellen oder politischen Gründen nicht über ein Bankkonto verfügen.

Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich jedoch nicht nur für die Finanzwelt. Fast allen Branchen bietet die innovative Technologie Chancen. So ließen sich Behördenaufgaben theoretisch auf einer Blockchain abbilden. Eigene Programme und Papierdokumente würden entfallen. Im Gesundheitswesen hätten Patienten die Möglichkeit, ihre Daten einzusehen und diese verschiedenen Ärzten oder Krankenkassen für bestimmte Zeitfenster freizugeben. In der Musikindustrie könnte das Verwalten von Rechten erleichtert werden. Blockchain könnte generell überall dort Einsatz finden, wo Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Bedeutung sind.

Liberalisierung und Digitalisierung

Die Bewertung der Blockchain fällt in Wissenschaft und Praxis sehr positiv aus. Blockchain ist mehr als nur die Technologie hinter der Kryptowährung Bitcoin. Sie wird von vielen als die eigentliche Innovation betrachtet. Ihr wird zugetraut, etliche Bereiche der Gesellschaft radikal zu verändern – weit über das Gebiet digitaler Währungen hinaus. Gemäß Einschätzungen von Experten des World Economic Forum bietet die Blockchain-Technologie heute dasselbe Potenzial wie das Internet in seinen Anfängen 1991-92. Die große Experimentierfreude etablierter Unternehmen, Startups und sogar Regierungen lässt Blockchain die Bedeutung einer digitalen Revolution zukommen – gemäß dem Leitsatz „Vertrauen ist gut, Blockchain ist besser“.

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