FinTech – eine Bankenwelt ohne Banken?

14.03.2017

Die FinTech-Branche boomt: Das Entwicklungstempo der neuen Finanztechnologie-Unternehmen ist rasant. Das Statistik-Portal Statista prognostiziert für 2017 ein Transaktionsvolumen im FinTech-Markt von etwa 103.618 Mio. Euro (basierend auf IWF, Weltbank, UN und Eurostat). Mit günstigen und fortschrittlichen Alternativen zu den klassischen Angeboten drohen diese neuen digitalen Anbieter den etablierten Marktteilnehmern über kurz oder lang den Rang abzulaufen.

FinTech-Start-ups schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden und treffen auf Zuspruch. Denn sie agieren analog zur digitalen Transformation in der Gesellschaft und ermöglichen die Abwicklung von Transaktionen und Finanzgeschäften via Internet. Sie fungieren als Zahlungsverkehrsabwickler, als Anbieter von Crowdfunding-Lösungen oder als Kreditplattform. Mit ihren digitalen Prozessen, Online-Plattformen und Apps bewegen sich diese Anbieter exakt am Zahn der Zeit.

FinTechs ermöglichen Schnelligkeit, Einfachheit, Komfort und punkten durch eine Niedrigreispolitik. Booten sie damit den traditionellen Finanzdienstleister langfristig aus?

Ein Verdrängungswettbewerb?

Banken und Finanzdienstleister werden es schwer haben, sich gegen die FinTech-Unternehmen durchzusetzen. Denn für etablierte Anbieter mit klassischen Strukturen ist es kaum möglich, zeitnah mit den modernen Methoden der FinTechs gleichzuziehen. Würden sich die Banken stärker auf das Online-Business konzentrieren, so wären die Filialen nicht mehr rentabel und der eigentliche Grundstock der Banken ginge verloren.

Die Banken sind naturgegeben von Sicherheitsfaktoren und entsprechenden Regularien bestimmt. Dies schränkt ihren Handlungsspielraum ein. FinTech-Startups können dagegen andere Möglichkeiten und sogar Grauzonen ausloten. Sie können sich damit breiter aufstellen und stellenweise auf Risiko setzen. Dies verleiht ihnen eine starke Position in puncto Innovationskraft.

Kooperieren statt konkurrieren

Umdenken und handeln muss die Devise lauten: Denn für die klassischen Finanzdienstleister ist eine Integration der FinTech-Methoden in die eigenen Geschäftsmodelle auf Dauer unerlässlich. Nur, wenn die Banken sich für die neuen Strategien der FinTechs öffnen, werden sie wettbewerbsfähig bleiben und nachhaltig eine relevante Rolle im Markt spielen können.

Im Idealfall entsteht eine Win-Win-Situation: FinTechs liefern die Innovationen und die Banken den Kunden. Beide könnten voneinander profitieren und ihre Stärken bündeln. Dabei gibt es nicht nur ein Erfolgsmodell, sondern zahlreiche Optionen der Kooperation. So könnte beispielsweise die Bank weiterhin autark agieren und würde lediglich mit den Innovationen der FinTechs unterstützt oder die FinTechs bleiben eine eigenständige Institution, aber die Bank übernimmt die Abwicklung der Finanzgeschäfte.

Eine Frage der Sicherheit: Revolution mit Hürden

Aber FinTechs haben noch nicht gewonnen. Sie befinden sich auf der Überholspur, sind jedoch nicht automatisch Selbstläufer, denn auch entscheidende Kriterien wie Datenschutz und technische Sicherheit spielen in diesem Gefüge eine bedeutende Rolle. Die neuen Technologien stecken noch in den Kinderschuhen und lösen daher Sicherheitsbedenken in den Köpfen der Endverbraucher aus.

Doch auch, wenn diese neuen Player bisher noch keine existenzielle Bedrohung für die klassischen Finanzdienstleister bedeuten, der Ansatz einer digitalen und preiswerten Vermögensverwaltung wird sich früher oder später am Markt etablieren. Dies schließt jedoch persönliche Beratung und professionelles Know-how nicht aus. Die Banken, denen es gelingt, effiziente FinTech-Lösungen in ihre Strukturen zu integrieren, könnten dabei die stärkste aller Rollen einnehmen.  

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